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7 September 2026 Westimmo

Arbeitsrecht Mauritius: Vertrag, Probezeit, Urlaub, Kündigung

Vertrag, Probezeit, Urlaub, Kündigung: Was der Workers' Rights Act 2019 für Arbeitnehmer in Mauritius tatsächlich vorsieht – für Mauritier wie für Ausländer.

Das mauritische Arbeitsrecht schreibt eine Kündigungsfrist von mindestens 30 Tagen vor, um ein Arbeitsverhältnis zu beenden – unabhängig vom Grund und auch während der Probezeit. Das gehört zu den am wenigsten bekannten Punkten des Workers‘ Rights Act 2019, jenes Gesetzes, das heute Vertrag, Urlaub und Kündigung jedes in Mauritius beschäftigten Arbeitnehmers regelt, ob Mauritier oder Ausländer.

Rechtsrahmen: Welches Gesetz gilt, und für wen

Maßgeblich ist der Workers‘ Rights Act 2019 (Act No. 20 of 2019), in Kraft seit dem 24. Oktober 2019 und seither mehrfach geändert, zuletzt im August 2025. Er hat den früheren Employment Rights Act 2008 abgelöst und erfasst nahezu alle Arbeitnehmer der Privatwirtschaft, Mauritier wie Ausländer, sobald sie in Mauritius unter einem Arbeitsvertrag tätig sind. Die konsolidierte Fassung veröffentlicht das Arbeitsministerium; im Zweifel gilt allein die im Government Gazette erschienene Fassung.

Auch wer unter einem Occupation Permit oder einem Work Permit arbeitet, bleibt diesem Gesetz unterstellt. Der aufenthaltsrechtliche Status schmälert die Rechte aus dem Arbeitsvertrag nicht – von wenigen Ausnahmen abgesehen, die weiter unten stehen, vor allem bei der Abfindung.

Die Vertragsarten

Das Gesetz unterscheidet den unbefristeten und den befristeten Arbeitsvertrag. Befristen darf ein Arbeitgeber nur bei einem tatsächlich vorübergehenden Bedarf: Vertretung während eines Urlaubs, einmaliges Projekt, Saisonarbeit, Ausbildung. Eine Dauerstelle, die der normalen und fortlaufenden Tätigkeit des Unternehmens entspricht, lässt sich nicht wiederholt befristet besetzen: Zwei Verträge, zwischen denen weniger als 28 Tage liegen, gelten als ein einziges durchgehendes Beschäftigungsverhältnis.

Wer länger als einen Monat beschäftigt wird, erhält vom Arbeitgeber eine schriftliche Aufstellung der Arbeitsbedingungen, auf Französisch oder Kreolisch, innerhalb von 14 Tagen nach Ablauf des ersten Monats; eine Kopie geht binnen 30 Tagen an das Arbeitsamt. Bei Streit über Gehalt, Arbeitszeit oder Position zählt dieses Dokument mehr als der Vertrag selbst.

Die Probezeit: was das Gesetz regelt und was es den Parteien überlässt

Der Workers‘ Rights Act 2019 nennt keine Dauer für eine Probezeit und verwendet den Begriff nicht einmal. Wie lang sie ausfällt, ergibt sich allein aus der Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. In der Praxis stehen in mauritischen Verträgen meist drei bis sechs Monate, mitunter verlängerbar – doch das Gesetz schreibt weder eine Dauer vor noch begrenzt es sie.

Vorgeschrieben ist dagegen der gesamte Schutz des Arbeitnehmers, mit Probezeit wie ohne: die Kündigungsfrist von mindestens 30 Tagen, das Verbot einer Kündigung aus diskriminierenden Gründen oder wegen Krankheit, Schwangerschaft oder Gewerkschaftszugehörigkeit, und der Urlaubsanspruch ab dem ersten Arbeitstag, auch wenn er erst nach der geforderten ununterbrochenen Dienstzeit fällig wird. In diesen Punkten steht ein Arbeitnehmer in der Probezeit also nicht schlechter da als ein fest übernommener; allein die Sicherheit der Stelle ist eine andere.

Die gesetzlichen Urlaubsansprüche

Sechs Urlaubsarten legt das Gesetz fest, jede mit eigener Voraussetzung. Angesammelt wird ab dem ersten Tag, doch die meisten Ansprüche werden erst nach zwölf Monaten ununterbrochener Dienstzeit beim selben Arbeitgeber in voller Höhe fällig.

Gesetzliche Urlaubsansprüche nach dem Workers‘ Rights Act 2019
UrlaubsartDauerVoraussetzung
Jahresurlaub20 Tage + 2 zusätzliche Tage, also 22 bezahlte Tage12 Monate ununterbrochene Dienstzeit
Krankheitsurlaub15 bezahlte Tage pro Jahr12 Monate ununterbrochene Dienstzeit
Reiseurlaub (Vacation Leave)höchstens 30 Tagealle 5 Jahre ununterbrochener Dienstzeit
Mutterschaftsurlaub16 bezahlte Wochengegen ärztliches Attest
Vaterschaftsurlaub4 bezahlte Wochen12 Monate ununterbrochene Dienstzeit (davor unbezahlt)
Sonderurlaub (Hochzeit, Todesfall)3 bis 6 bezahlte Tage je nach Anlass12 Monate ununterbrochene Dienstzeit

Hinzu kommt eine gesetzlich vorgeschriebene Jahresendgratifikation in Höhe eines Zwölftels der im Jahr bezogenen Vergütung: 75 % davon vor dem 25. Dezember, der Rest vor dem letzten Werktag des Jahres. Wer das Unternehmen im Laufe des Jahres verlässt, behält den anteiligen Betrag, gleich aus welchem Grund er geht.

Nicht genommener Jahresurlaub wird am Ende des Zeitraums ausgezahlt oder, auf schriftlichen Wunsch des Arbeitnehmers, angespart. Endet der Vertrag, ist jeder Resturlaub vollständig auszuzahlen, und keine Vertragsklausel kann darauf verzichten – eine solche Klausel ist von Rechts wegen nichtig.

Das Arbeitsverhältnis beenden: Frist, Gründe, Verfahren

Die Kündigungsfrist beträgt mindestens 30 Tage, gleich welche Seite kündigt, sofern die Vereinbarung nichts Günstigeres vorsieht. Der Arbeitgeber kann sie durch Zahlung der auf die Frist entfallenden Vergütung ersetzen. Während der Frist muss er dem Arbeitnehmer angemessene Zeit für die Suche nach einer neuen Stelle einräumen, ohne dass dessen Gehalt darunter leidet.

Verboten ist eine Kündigung wegen Herkunft, Religion, Geschlecht, Schwangerschaft, ärztlich bescheinigtem Gesundheitszustand, Gewerkschaftszugehörigkeit oder wegen einer in gutem Glauben erhobenen Beschwerde gegen den Arbeitgeber.

Stützt sich die Kündigung auf ein Fehlverhalten oder auf mangelnde Leistung, ist das Verfahren streng geregelt: Der Arbeitgeber muss den Vorwurf innerhalb von 10 Tagen mitteilen, nachdem er von den Vorgängen erfahren hat, mindestens 7 Tage vor der Anhörung laden, den Arbeitnehmer anhören – der sich von einem Gewerkschaftsvertreter oder einem Anwalt begleiten lassen darf – und die Kündigung spätestens 7 Tage nach dieser Anhörung aussprechen. Eine Kündigung, die diese Fristen verfehlt, gilt als ungerechtfertigt, ganz unabhängig davon, ob der angeführte Grund trägt.

Die Abfindung

Wer seit mindestens 12 Monaten durchgehend beschäftigt ist und vor Gericht durchsetzt, dass seine Kündigung ungerechtfertigt war, erhält eine Abfindung von drei Monatsvergütungen je Jahr ununterbrochener Dienstzeit, für Zeiträume unter 12 Monaten anteilig berechnet. Ausgezahlt wird das nicht bei jedem Ausscheiden: Es ist eine gerichtlich angeordnete Entschädigung, wenn die Beendigung als ungerechtfertigt, unverhältnismäßig oder verfahrensfehlerhaft beurteilt wird. Das Gericht kann zusätzlich Zinsen von bis zu 12 % pro Jahr zwischen dem Tag der Beendigung und dem Tag der Zahlung zusprechen.

Von dieser Abfindung darf der Arbeitgeber bereits gezahlte Gratifikationen abziehen, ebenso Beiträge, die er für den Arbeitnehmer in einen Pensions- oder Vorsorgefonds eingezahlt hat, sowie die Zahlungen an den Portable Retirement Gratuity Fund.

Was für ausländische Arbeitnehmer anders ist

Ein Wanderarbeitnehmer oder Nicht-Staatsbürger, der über einen oder mehrere befristete Verträge beschäftigt ist, hat bei deren regulärem Auslaufen keinen Anspruch auf die Abfindung. Nur eine vorzeitige und ungerechtfertigte Beendigung eröffnet ihn, unter denselben Voraussetzungen wie bei einem mauritischen Arbeitnehmer. Der übrige Schutz – Kündigungsfrist, Urlaub, Disziplinarverfahren, Diskriminierungsverbot – gilt ohne Ansehen der Staatsangehörigkeit.

Für eine Fach- oder Führungskraft aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz hängt der Arbeitsvertrag unmittelbar an der Arbeitserlaubnis: Das Occupation Permit für Berufstätige setzt ein Mindestgehalt voraus, und seine Gültigkeit folgt der des Vertrags, der es begründet hat. Prüfen Sie vor der Unterschrift diese Schwelle, die Branchen mit Personalbedarf und die üblichen Gehaltsspannen sowie die Sozialabgaben, die je nach Status anfallen.

Bis nach dem Stellenantritt alles geordnet ist, bleibt die Langzeitmiete der einfachste Weg für Neuankömmlinge; ein Kauf hat danach immer noch Zeit.

Häufige Fragen

Muss der Arbeitsvertrag schriftlich geschlossen werden? Das Gesetz verlangt keinen von Anfang an vollständig schriftlichen Vertrag, wohl aber für jeden länger als einen Monat Beschäftigten eine schriftliche Aufstellung der Arbeitsbedingungen, ausgehändigt binnen 14 Tagen nach dem ersten Monat.

Gilt die Kündigungsfrist von 30 Tagen auch in der Probezeit? Ja. Der Workers‘ Rights Act 2019 kennt keine Ausnahme für die Probezeit: Mindestfrist und geschützte Gründe greifen ab dem ersten Arbeitstag.

Darf ein Arbeitgeber bei schwerem Fehlverhalten ohne Verfahren kündigen? Nein. Auch bei einem bloß behaupteten Fehlverhalten muss er den Vorwurf mitteilen, mindestens 7 Tage bis zur Anhörung verstreichen lassen und die Mitteilungsfristen einhalten – sonst gilt die Beendigung als ungerechtfertigt.

Bleibt die Jahresendgratifikation erhalten, wenn man mitten im Jahr geht? Ja, anteilig zur im Jahr geleisteten Zeit, gleich aus welchem Grund: eigene Kündigung, Kündigung durch den Arbeitgeber oder Vertragsende.

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