
Geschichte von Mauritius: von arabischen Seefahrern bis zur Republik
Die Geschichte von Mauritius in den wichtigsten Daten: eine unbewohnte Insel, niederländische Siedler, die Isle de France, britische Kolonie, Vertragsarbeit, Unabhängigkeit 1968 und Republik 1992 – und was davon im Alltag bleibt.
Bevor die Europäer kamen, lebte auf Mauritius kein Mensch. Als Erste ließen sich 1638 die Niederländer nieder, die die Insel 1710 wieder aufgaben. Von 1715 bis 1810 war sie als Isle de France französisch, danach britisch bis zur Unabhängigkeit am 12. März 1968. Seit dem 12. März 1992 ist Mauritius eine Republik. Die Bevölkerung stammt von europäischen Siedlern ab, von Sklavinnen und Sklaven aus Afrika und Madagaskar, von Vertragsarbeitern aus Indien und von chinesischen Händlern – und diese Vergangenheit erklärt bis heute die Sprachen, das Recht und die Feiertage der Insel.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| Mittelalter | Wahrscheinlich Besuche arabischer Seefahrer; auf Karten um 1500 trägt die Insel den Namen Dina Arobi |
| Anfang des 16. Jahrhunderts | Die Portugiesen landen, nennen die Insel Cirne und ziehen weiter, ohne zu siedeln |
| 1598 | Ein niederländisches Geschwader landet bei Grand Port und tauft die Insel „Mauritius“ |
| 1638 | Erste niederländische Niederlassung |
| 1710 | Endgültiger Abzug der Niederländer |
| 1715 | Frankreich nimmt die Insel in Besitz und nennt sie Isle de France |
| 1721 | Beginn der tatsächlichen französischen Besiedlung |
| 1767 | Ende der Verwaltung durch die Ostindienkompanie; die Insel untersteht direkt der Krone |
| August 1810 | Seeschlacht von Grand Port, gewonnen von der französischen Flotte |
| Dezember 1810 | Britische Landung im Norden der Insel und französische Kapitulation |
| 1814 | Frieden von Paris: Mauritius, Rodrigues und die Seychellen fallen an Großbritannien |
| 1834 | Ankunft der ersten Vertragsarbeiter aus Indien |
| 1835 | Abschaffung der Sklaverei |
| 1965 | Konferenz im Lancaster House; Abtrennung des Chagos-Archipels |
| 12. März 1968 | Unabhängigkeit |
| 12. März 1992 | Mauritius wird Republik |
Vor 1598: eine menschenleere Insel, bekannt bei arabischen und portugiesischen Seefahrern
Jahrhundertelang blieb die Insel unbewohnt. Arabische Seefahrer haben sie vermutlich schon im Mittelalter gesichtet: Auf Karten um 1500 trägt sie den arabischen Namen Dina Arobi. Ihre Besuche gehen wohl auf das 9. oder 10. Jahrhundert zurück, Spuren einer Ansiedlung gibt es keine.
Die ersten Europäer an Land waren Anfang des 16. Jahrhunderts die Portugiesen; der Seefahrer Domingo Fernandez Pereira soll um 1511 hier gelandet sein. Auf portugiesischen Karten erscheint die Insel damals als Cirne. Ein anderer portugiesischer Seefahrer, Pedro Mascarenhas, gab den Maskarenen ihren Namen, der Inselgruppe aus Mauritius, Réunion und Rodrigues. Bleiben wollten die Portugiesen nicht: Für sie war die Insel nur ein Zwischenhalt.
1598–1710: die Niederländer, die ersten Bewohner
1598 ging ein niederländisches Geschwader unter Admiral Wybrand van Warwijck in der Bucht von Grand Port im Südosten vor Anker. Es taufte die Insel „Mauritius“, zu Ehren von Prinz Moritz von Nassau, Statthalter von Holland. Der Name ist geblieben.
Niedergelassen haben sich die Niederländer erst 1638, in derselben Bucht. Die Reste ihres Stützpunkts lassen sich heute in Vieux Grand Port besichtigen, nahe Mahébourg. Diese erste Niederlassung hielt sich rund zwanzig Jahre. Spätere Versuche warfen nie genug ab, und 1710 verließen die Niederländer die Insel endgültig.
Sie hinterließen das Zuckerrohr, Haustiere und den Hirsch, die sie während ihrer Zeit auf der Insel eingeführt hatten. Sie hinterließen aber auch ein Aussterben: Der Dodo, ein großer flugunfähiger Vogel, verschwand noch vor dem Ende des 17. Jahrhunderts. Seeleute jagten ihn, und die mit ihnen eingeschleppten Tiere – Ratten, Schweine und Affen – fraßen die Eier, die er auf den Boden legte.
1715–1810: die Isle de France
Im September 1715 nahm Guillaume Dufresne d’Arsel die Insel für Frankreich in Besitz und nannte sie Isle de France. Die tatsächliche Besiedlung begann 1721, verwaltet von der französischen Ostindienkompanie.
Ihren eigentlichen Aufschwung verdankt die Insel Gouverneur Bertrand-François Mahé de La Bourdonnais. Er machte Port Louis zum Marinestützpunkt und zur Schiffswerft und ließ Bauten errichten, die bis heute stehen: das Regierungsgebäude, die Line Barracks und das Château de Mon Plaisir im heutigen Botanischen Garten von Pamplemousses. Seine Statue steht auf der Place d’Armes, mit Blick auf den Hafen.
1767 trat die Kompanie die Insel an die Krone ab. Bis 1810 regierten sie Beamte, die der französische Staat ernannte – mit Ausnahme einer kurzen Phase während der Französischen Revolution, in der sich die Siedler eine nahezu unabhängige Regierung gaben.
Die Plantagenwirtschaft beruhte auf Sklaverei. Versklavte Menschen wurden aus Afrika und Madagaskar auf die Insel gebracht. Manche flohen und versteckten sich während des gesamten 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Felswänden des Le Morne Brabant im Südwesten. Der Berg ist zum Symbol ihres Kampfes für die Freiheit geworden und gehört zum UNESCO-Welterbe.
1810: die Schlacht von Grand Port und die Kapitulation
In den Napoleonischen Kriegen diente die Isle de France französischen Kaperfahrern als Stützpunkt, die britischen Handelsschiffen schwer zusetzten. London schickte eine Expedition, um dem ein Ende zu machen.
Ein erster Angriff scheiterte im August 1810 bei Grand Port: ein Sieg der französischen Flotte, der auf dem Arc de Triomphe in Paris eingraviert ist. Drei Monate später, im Dezember, startete der Hauptangriff von Rodrigues aus, das bereits in britischer Hand war. Die Truppen landeten in großer Zahl im Norden der Insel, und Gouverneur General Charles Decaen kapitulierte.
Die Kapitulationsurkunde sicherte den Bewohnern zu, ihre Sprache, Sitten, Gesetze und Traditionen zu achten. Der Frieden von Paris 1814 bestätigte die Abtretung der Insel, die wieder Mauritius hieß, samt ihren Nebengebieten Rodrigues und den Seychellen an Großbritannien.
1810–1968: britische Kolonie, Zucker und Vertragsarbeit
Mit Gouverneur Robert Farquhar begann die britische Verwaltung, und Englisch wurde Amtssprache. Französisch blieb jedoch weit verbreitet, wie bei der Kapitulation zugesichert – und ist es nach mehr als anderthalb Jahrhunderten britischer Herrschaft bis heute.
1835 wurde die Sklaverei abgeschafft. Die Plantagenbesitzer erhielten zwei Millionen Pfund Sterling als Entschädigung für den Verlust ihrer Sklaven. Der Jahrestag der Abschaffung, der 1. Februar, ist heute ein gesetzlicher Feiertag.
Um diese Arbeitskräfte zu ersetzen, wandten sich die Pflanzer nach Indien. Ab 1834 wurde Mauritius zum ersten Schauplatz dessen, was die britische Regierung „das große Experiment“ nannte: der Einsatz „freier“ Arbeitskräfte mit Arbeitsverträgen. Zwischen 1834 und 1920 kamen fast eine halbe Million indische Vertragsarbeiter am Aapravasi Ghat in Port Louis an – um auf den Zuckerrohrplantagen von Mauritius zu arbeiten oder weiter nach Réunion, Australien, ins südliche und östliche Afrika oder in die Karibik geschickt zu werden. Die Stätte gehört zum UNESCO-Welterbe, und der 2. November, der Tag der Ankunft der Vertragsarbeiter, ist ein Feiertag.
Die Einwanderer, Hindus wie Muslime, veränderten die mauritische Gesellschaft rasch. Hinzu kamen einige chinesische Kleinhändler. Der Zuckerrohranbau florierte dank der Zuckerexporte nach England, und die Insel erhielt nach und nach Straßen und Infrastruktur.
Im September 1965 beriet die Verfassungskonferenz im Lancaster House in London über die Zukunft der Kolonie. Im selben Jahr trennte Großbritannien den Chagos-Archipel von Mauritius ab und machte daraus das Britische Territorium im Indischen Ozean – gegen einen Zuschuss von drei Millionen Pfund und das Versprechen, die Inseln zurückzugeben, sobald sie für die Verteidigung nicht mehr gebraucht würden. Nach den Parlamentswahlen von 1967 verabschiedete die gesetzgebende Versammlung eine Resolution, die die Unabhängigkeit forderte.
Seit 1968: Unabhängigkeit, Republik und die Chagos-Frage
Am 12. März 1968, dem heutigen Nationalfeiertag, wurde Mauritius unabhängig. Zunächst blieb es eine Monarchie im Commonwealth und wurde am 12. März 1992 zur Republik.
Seit der Unabhängigkeit hat sich die Wirtschaft von der Zucker-Monokultur gelöst und breiter aufgestellt: Textilien, Tourismus, Finanzdienstleistungen und Informationstechnik. Aus einem armen, überwiegend landwirtschaftlich geprägten Land ist eine Volkswirtschaft mit mittlerem Einkommen geworden.
Die Chagos-Frage blieb offen. Am 25. Februar 2019 stellte der Internationale Gerichtshof in einem Gutachten fest, dass die Entkolonialisierung von Mauritius 1968 nicht rechtmäßig abgeschlossen worden war und das Vereinigte Königreich seine Verwaltung des Archipels so schnell wie möglich beenden müsse. Ein Vertrag zwischen beiden Ländern, der die Souveränität von Mauritius anerkennt und zugleich den Militärstützpunkt auf Diego Garcia erhält, wurde am 22. Mai 2025 unterzeichnet. In Kraft tritt er erst, wenn beide Staaten ihre Ratifizierungsverfahren abgeschlossen haben.
Was diese Geschichte im Alltag hinterlässt
Vier Jahrhunderte Kolonialgeschichte prägen den Alltag bis heute – und das hat ganz praktische Folgen, wenn Sie nach Mauritius ziehen oder hier eine Immobilie kaufen möchten.
- Sprachen: Englisch ist die Sprache der Verwaltung, Französisch ist in den Medien und im Alltag sehr präsent, und mauritisches Kreolisch ist die Sprache, die alle miteinander teilen.
- Recht: Mauritius hat ein gemischtes Rechtssystem. Zivilgesetzbuch, Zivilprozessordnung und Handelsgesetzbuch folgen dem französischen Recht, im Lauf der Zeit angepasst; Gesellschaftsrecht, Strafprozess und Beweisrecht stammen aus dem englischen Recht. Deshalb läuft ein Immobilienkauf über einen Notar – wie in Frankreich und ganz ähnlich wie in Deutschland. Die einzelnen Schritte erklärt unser Leitfaden zum Immobilienkauf auf Mauritius als Ausländer.
- Straßenverkehr: Auf Mauritius gilt Linksverkehr, ein britisches Erbe.
- Kalender: Die Feiertage erinnern an die Abschaffung der Sklaverei, die Ankunft der Vertragsarbeiter und die Unabhängigkeit, dazu kommen die großen hinduistischen, muslimischen, chinesischen und christlichen Feste – Spiegel einer Bevölkerung vielfältiger Herkunft, deren Kultur und Traditionen sich vermischt haben.
- Ortsnamen: Der Name der Insel ist niederländisch, Port Louis, Pamplemousses oder Mahébourg sind französisch – beide Epochen stehen auf derselben Landkarte nebeneinander.
Wo Sie dieser Geschichte vor Ort begegnen
- Vieux Grand Port und Mahébourg im Südosten: die Bucht der ersten niederländischen Landung und Schauplatz der Schlacht von 1810. Unser Rundgang durch Mahébourg beschreibt die Einzelheiten.
- Port Louis: der Aapravasi Ghat, die Place d’Armes mit der Statue von Mahé de La Bourdonnais, das Regierungsgebäude und die Line Barracks.
- Pamplemousses: das Château de Mon Plaisir mitten im Botanischen Garten.
- Le Morne im Südwesten: die Kulturlandschaft der entflohenen Sklaven, UNESCO-Welterbe.
Weitere Artikel finden Sie in unserer Rubrik Geschichte von Mauritius.
Quellen und Überprüfung
Daten und Fakten am 1. Oktober 2026 anhand der folgenden Quellen überprüft.
- Regierung von Mauritius – Explore Mauritius: Geschichte und Dodo
- Nationalarchiv von Mauritius – Brief History of Mauritius
- Hochkommissariat von Mauritius in London – General Information about the Republic of Mauritius
- Ministerium für Blaue Wirtschaft (Mauritius) – Short History about Mauritius
- UNESCO – Aapravasi Ghat
- UNESCO – Le Morne Cultural Landscape
- Nationalversammlung von Mauritius – Report on Proportional Representation (Verfassungsgeschichte)
- Internationaler Gerichtshof – Rechtsfolgen der Abtrennung des Chagos-Archipels von Mauritius im Jahr 1965
- Bibliothek des britischen Oberhauses – UK-Mauritius treaty on the Chagos Archipelago
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